Restaurierung in der Berliner Werkstatt - Beschreibung und zeitliche Einordnung
Der Unterschrank besteht aus einem Korpus mit zwei Türen und dekorativen Beschlägen im Stil der Renaissance. Das Möbel wurde wahrscheinlich um 1870 gefertigt, also in einer Zeit, in der ältere Stile bewusst nachgeahmt wurden. Auffällig ist, dass nicht alle Teile gleich wirken. Die Türfüllungen mit ihren eingelegten Hölzern und der besonderen Farbigkeit sprechen dafür, dass hier sehr wahrscheinlich ältere Originalteile verwendet wurden, vermutlich aus der Zeit um 1650. Der Korpus scheint später darum herum gebaut worden zu sein und erhielt eine dunkle Oberfläche, die ein dunkles Holz nachahmen soll.
Befund und Maßnahmen Sicherung nach starkem Wurmbefall
Das Möbel war außergewöhnlich stark vom Holzwurm befallen. Das Holz war dadurch in vielen Bereichen so brüchig, dass eine Restaurierung zunächst kaum möglich erschien. Als erster Schritt wurde das Möbel gegen weiteren Wurmbefall behandelt. Anschließend wurde das geschwächte Holz gezielt gefestigt, damit es wieder Stabilität bekommt und nicht weiter zerfällt. Ziel war es, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten und nur dort einzugreifen, wo die Stabilität es zwingend erforderte.
Reinigung der Türfüllungen eingelegte Hölzer wieder sichtbar machen
Die Türfüllungen waren durch eine dunkle Schmutzschicht stark verdeckt. Durch eine vorsichtige Reinigung konnten die Einlagen wieder sichtbar gemacht werden, ohne die Oberfläche unnötig zu stark zu verändern. Die verschiedenen Holzarten wie Esche, Ahorn und Zwetschge sind nun wieder klar erkennbar und geben den Türen ihre ursprüngliche Lebendigkeit zurück. Damit wird auch der besondere Charakter des Möbels deutlich, denn gerade diese älteren Teile prägen seine Ausstrahlung und machen seine Geschichte nachvollziehbar.
Zusammensetzung aus Originalteilen aus dem 17. Jahrhundert
Mehrere Bauteile sprechen dafür, dass dieses Möbel nicht als geschlossenes Stück entstanden ist, sondern aus deutlich älteren Originalteilen zusammengesetzt wurde. Besonders die Türfüllungen mit ihren eingelegten Hölzern, der handwerklichen Ausführung und der gealterten Farbigkeit passen eher in die Zeit um 1680 als in das späte 19. Jahrhundert. Wahrscheinlich wurden diese historischen Teile später übernommen und in einen neu gefertigten Korpus eingefügt, um ein Möbel im Renaissance Stil zu schaffen. Dadurch entsteht ein Objekt mit zwei Zeitschichten, einem späteren äußeren Rahmen und einem deutlich älteren Kern, der den eigentlichen historischen Wert ausmacht
Farbschichten Untersuchung Querschliffe und Ergebnis
Zur Klärung der Oberflächen wurden Proben entnommen und Querschliffe angefertigt. Dabei zeigte sich, dass die Seiten des Korpus zunächst mit einer Grundierung aus Kieselgur vorbereitet wurden. Auf dieser Grundlage wurde anschließend eine deckende braune Öllasur aufgetragen, die eine Holzimitation erzeugt und optisch an Eiche erinnern soll. Die Türfüllungen weisen dagegen einen anderen Aufbau auf. Dort konnte ein gefärbter Öllack als Oberflächenbehandlung nachgewiesen werden.