Restaurierung einer Chinoiserie-Kommode von Jacques Dubois
In meiner Restaurierungswerkstatt in Berlin wurde eine außergewöhnliche Chinoiserie-Kommode des bedeutenden französischen Ébénisten Jacques Dubois (1694–1763) restauriert. Das Möbel stammt aus der Zeit des französischen Rokoko und ist ein eindrucksvolles Beispiel für die Verbindung von feiner Handwerkskunst und fernöstlicher Ornamentik. Im Gegensatz zur kleineren, zuvor restaurierten Kommode aus derselben Epoche zeigt dieses Stück eine breitere Form mit applizierten Vogelmotiven und floralen Szenen, die den charakteristischen Reiz des französischen Chinoiserie-Stils unterstreichen.
Jacques Dubois – Pariser Kunsttischler des 18. Jahrhunderts
Jacques Dubois war einer der führenden Möbelkünstler im Paris des 18. Jahrhunderts und ein Zeitgenosse von Bernard II van Risenburgh (BVRB). Seine Arbeiten zeichnen sich durch meisterhafte Furniertechniken, Vernis-Martin-Lacke und fein ziselierte Bronzeapplikationen aus. Der Stil Dubois’ verbindet das verspielte Rokoko mit einem Hauch von Exotik – ein Einfluss, der durch die damals populäre Chinoiserie geprägt wurde. Seine Möbel wurden häufig für den französischen Hof und wohlhabende Pariser Auftraggeber gefertigt und gelten bis heute als Inbegriff französischer Eleganz.
Querschliffuntersuchung und Analyse im Labor
Vor Beginn der eigentlichen Restaurierungsarbeiten wurden im Labor in Potsdam mehrere mikroskopische Querschliffproben der Lackschichten entnommen und unter UV-Licht untersucht. Diese materialanalytische Untersuchung ermöglichte es, den Aufbau der historischen Vernis-Martin-Schichten präzise zu dokumentieren und die Originalfassung sicher von späteren Überzügen zu unterscheiden. Das Ergebnis zeigte eine mehrlagige Struktur aus transluzenten Harz- und Pigmentschichten, wie sie typisch für Dubois’ Werkstatt ist. Auf dieser Grundlage konnte das Restaurierungskonzept gezielt auf Regenerierung statt Abnahme ausgerichtet werden – ein wesentlicher Schritt, um die Authentizität und historische Substanz zu erhalten.
Regenerierung der Vernis-Martin-Oberfläche
Die empfindliche Lackoberfläche wurde mit größter Sorgfalt behandelt. Der gealterte Überzug war matt und trüb geworden, wodurch die feinen Details der Vogel- und Pflanzenmalerei kaum noch sichtbar waren. Durch eine gezielte Regenerierung des Vernis-Martin-Lacks konnte die Tiefe und Leuchtkraft der Oberfläche wiederhergestellt werden – ein Verfahren, das in der Möbelrestaurierung in Berlin und Potsdam regelmäßig Anwendung findet, wenn historische Lacke bewahrt werden sollen.
Vergoldete Beschläge und Rekonstruktion
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den feuervergoldeten Bronze-Beschlägen, die gereinigt, gefestigt und partiell neu vergoldet wurden. Dadurch erhielten sie ihren ursprünglichen Glanz zurück und bilden nun wieder den harmonischen Kontrast zum warmen Mahagoniton des Möbels. Kleinere Furnierverluste wurden geschlossen und farblich angepasst, sodass der Gesamteindruck wieder ein stimmiges Bild ergibt.
Ergebnis und kunsthistorische Bedeutung
Durch die Kombination aus kunsthistorischer Forschung, Laboranalytik und handwerklicher Präzision wurde die ursprüngliche Schönheit der Kommode wieder sichtbar: die leuchtenden Lackfarben, das feine Zusammenspiel von Metall und Holz sowie die unverwechselbare Handschrift Jacques Dubois’.
Diese Restaurierung steht beispielhaft für eine konservatorisch fundierte Möbelrestaurierung in Berlin, die traditionelle Techniken mit moderner Untersuchungstechnik verbindet mit dem Ziel, historische Oberflächen in ihrer Echtheit und Wirkung für kommende Generationen zu bewahren.