REFERENZEN

Spiegelrahmen um 1760

Aufbereitung eines Spiegelrahmens aus dem Rokoko

Ein großformatiger Rokoko-Spiegelrahmen (18. Jh.) kam nach einem Sturz in mehreren Bruchstücken zu uns. Der Rahmen ist in Linde geschnitzt – ein für fein plastische Rokoko-Ornamente typisches Weichholz – und klassisch polimentvergoldet. Typische Rokoko-Merkmale wie asymmetrische Rocaillen und geschwungene C-/S-Linien prägen solche Spiegelrahmen; sie wurden im 18. Jh. europaweit zu luxuriösen Raumausstattungen gefertigt.

Aufarbeitung_Spiegelrahmen

Befund & Analyse im Potsdamer Labor für Materialanalysen

Alle Einzelteile wurden nummeriert, fotografisch erfasst und in einer Bruch-/Fehlstellendokumentation zusammengeführt (Bestandsaufnahme). Zur Einordnung der Fassung erfolgten mikroskopische Querschliffe (Harzeinbettung, Planschliff) und UV-Fluoreszenz-Untersuchungen, um Schichtenfolge, Firnisse, Retuschen und spätere Überarbeitungen sicher zu differenzieren. UV macht gealterte Harzfirnisse und Übermalungen charakteristisch sichtbar.

Technik: Polimentvergoldung

Bei der Polimentvergoldung wird ein Kreidegrund (Gesso) aus Kalk/Kalziumcarbonat und Hautleim aufgebaut, darüber Bolus (Ton-Leim-Mischung) appliziert und anschließend Blattgold wasservergoldet; partielle Achatpolitur ermöglicht hohen Glanz. Diese traditionelle Technik eignet sich ideal für saugende Untergründe wie Holzrahmen.

Konservatorisches und Restauratorisches Vorgehen

  • Trocken-/Feuchtreinigung der Oberfläche (staubende, korrodierte Bereiche nur minimal bearbeitet).

  • Festigung gelöster Kreidegrund-Schollen und Holzfasern (reversibel, materialverträglich).

  • Rekonstruktion fehlender Ornamente (Abformung, Kreideabguss, Nachmodellage) nur dort, wo die Lesbarkeit der Gesamterscheinung beeinträchtigt war.

  • Schichtbezogene Maßnahmen an der Vergoldung: Regenerieren/Reduzieren gealterter Überzüge, schonende Retusche mit Ton- und Glanzabgleich; Neuvergoldung nur punktuell, wenn tragende Originalsubstanz fehlte – Leitlinien Minimalintervention & Reversibilität (Dokumentation inklusive).
    Diese Vorgehensweise entspricht gängigen Standards der Rahmen- und Vergoldungsrestaurierung

Einordnung & Gestaltung

Rokoko-Spiegelrahmen gehören zu den repräsentativsten Dekorelementen des 18. Jh. – Rocaillen, Blatt- und Blumenschwünge, Kartuschen und teils Chinoiserien sind charakteristisch; der üppige Goldglanz war fester Bestandteil höfischer Raumkunst.

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Andris Hennig - Restaurator für Möbel aus Potsdam und Berlin