Restaurierung eines Hellerau Sideboards der 1960er Jahre
Bei diesem Sideboard der Deutschen Werkstätten Hellerau aus den 1960er Jahren zeigte sich eine stark gealterte Oberfläche. Der vorhandene Nitrocelluloselack war deutlich vergilbt, zudem fanden sich über das gesamte Möbel verteilt Abriebspuren, Kratzer und matte, unruhige Bereiche. Besonders auffällig war ein farblicher Unterschied zwischen den beiden Türen: Die rechte Tür erschien im Vergleich zur linken deutlich rötlicher.
Vor Beginn der eigentlichen Restaurierung wurde deshalb eine Querschliffanalyse durchgeführt. Dabei ließ sich feststellen, dass die abweichende Farbigkeit der rechten Tür nicht dem ursprünglichen Oberflächenaufbau entsprach, sondern auf eine frühere Überarbeitung zurückzuführen war. Diese Erkenntnis war entscheidend, um die weitere Behandlung nicht nach einem zufälligen Alterungszustand, sondern nach dem historischen Erscheinungsbild des Möbels auszurichten
Einpassen der Schubladen und Rekonstruktion fehlender Profilleisten
Neben der Oberfläche mussten auch die Schubladen überarbeitet werden. Die Schubkästen liefen nicht mehr sauber und wurden neu eingepasst. Dabei ging es nicht um eine technische Veränderung, sondern um die Wiederherstellung der ursprünglichen Bedienbarkeit, ohne den Bestand unnötig zu verändern.
An den Fronten der Schubkästen waren zudem kleine Profilleisten verloren gegangen. Diese Fehlstellen wurden rekonstruiert und in Form, Verlauf und Proportion an die vorhandenen Leisten angepasst. Anschließend erfolgte eine farbliche Angleichung durch Retusche, sodass sich die ergänzten Bereiche ruhig in das Gesamtbild der Front einfügen, ohne die historische Substanz zu überdecken.
Gerade bei Möbeln der 1950er und 1960er Jahre sind solche Details entscheidend. Die schlichte Gestaltung lebt von klaren Linien, präzisen Fugen und zurückhaltenden Profilierungen. Fehlende oder schlecht ergänzte Partien würden das Erscheinungsbild eines solchen Designmöbels deutlich stören.
Reduzierung des Nitrocelluloselacks und farbliche Angleichung der Oberfläche
Nach der Untersuchung und den konstruktiven Arbeiten wurden sämtliche Oberflächen behutsam bearbeitet. Der gealterte Nitrocelluloselack wurde leicht reduziert, um Vergilbungen, matte Bereiche und störende Überarbeitungen zurückzunehmen. Anschließend wurde die Oberfläche neu aufgebaut.
Nach der Untersuchung und den konstruktiven Arbeiten wurden sämtliche Oberflächen behutsam bearbeitet. Der gealterte Nitrocelluloselack wurde leicht reduziert, um Vergilbungen, matte Bereiche und störende Überarbeitungen zurückzunehmen. Anschließend wurde die Oberfläche neu aufgebaut.
Die rechte Tür, deren rötliche Farbigkeit auf eine frühere Bearbeitung zurückging, wurde farblich an die linke Tür angepasst. Maßgeblich war dabei nicht ein willkürlich „neuer“ Glanz, sondern der erhaltene Zustand an den Türinnenseiten. Diese geschützten Bereiche gaben vor, wie der ursprüngliche Glanzgrad und die Tiefe der Oberfläche zu verstehen waren.
Durch die Restaurierung erhielt das Hellerau Sideboard seinen ruhigen, geschlossenen Gesamteindruck zurück. Die Oberfläche wirkt wieder klarer, die Holzzeichnung gewinnt an Tiefe, und der Glanz entspricht wieder dem Charakter des Möbels. So bleibt das Sideboard als Designmöbel der 1960er Jahre erhalten, ohne seine Gebrauchsspuren und seine Geschichte vollständig zu tilgen.