Archäologische Restaurierung in Berlin – Kompositobjekt „Wecker“ aus Waldlager 1945
Im Rahmen des Studiums-Konservierung und Restaurierung von Archäologischem historischem Kulturgut an der HTW-Berlin wurde ein kleiner Wecker aus einem Waldlager der Roten Armee (Raum Brandenburg, 1945) von mir untersucht und bearbeitet. Der Fund stammt aus einem von Archäologen freigelegten Grabungskontext; erste Röntgenaufnahmen des Innenlebens zeigten gebrochene Triebe, lose Zahnräder und stark korrodierte Federhäuser. Es handelt sich um ein Kompositobjekt mit unterschiedlichen Metallen und Metallverbünden – entsprechend anspruchsvoll in Untersuchung und Konservierung.
Fundkontext und Bedeutung
Die Brandenburgische Landesarchäologie birgt aus diesen Waldlagern zahlreiche Alltagsobjekte – vom Essgeschirr bis zu Uhrenfragmenten. Der Wecker repräsentiert diesen „Alltag am Rand der Front“ und ergänzt die materiellen Spuren von Nutzung, Improvisation und Mobilität kurz vor Kriegsende.
Befund, Identifikation und Materialanalysen
Nach der Bestandsaufnahme (Makro-/Mikroskopie) folgten Materialanalysen: Röntgenaufnahmen, metallkundliche Untersuchungen der Legierungen (Stahl, Messing, möglicherweise Zinkdruckguss), Korrosionsdiagnostik sowie die Suche nach Herstellermarken zur Herkunftsbestimmung. Die Kombination aus starkem Volumenverlust, delaminierten Korrosionsschichten und gemischten Metallen machte den Wecker zu einem konservatorisch sensiblen Fall.
Leitlinie: minimale, klar dokumentierte Eingriffe – Restaurierung Berlin mit Schwerpunkt auf Reversibilität und präventiver Konservierung.
Konservatorischer Vorschlag
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Trockene und anschließend mikrofeuchte Reinigung unter dem Stereomikroskop; gesicherte Lockerungen an Niet-/Schraubpunkten.
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Stabilisierung der aktiv korrodierenden Bereiche (insb. Stahlteile); selektives Entfernen unterwandernder Korrosionsprodukte auf Messing.
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Barriere-/Schutzschichten nach Materialverträglichkeit, ohne die Lesbarkeit von Marken oder Bedienflächen zu beeinträchtigen.
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Abschließende präventive Konservierung: klimastabile Lagerung (niedrige rF-Schwankung), gedämpfte Sauerstoff-/Chloridbelastung, archivfähige Verpackung mit Silicagel
Durch diese Vorgehensweise kann der Wecker als historisches Dokument gesichert werden – technisch lesbar, authentisch in seiner Gebrauchsspuren-Ästhetik und langfristig bewahrbar.
Als Restaurator Berlin vereine ich archäologische Forschung, Materialanalysen und konservatorische Praxis in einer Restaurierungswerkstatt mit Projekten in Potsdam und Berlin – für die fachgerechte Restaurierung von Kunst und Kulturgut aus Metall und Mischmaterialien.
Abb.1 Quelle: HTW-Berlin
Abb2 Quelle: HTW-Berlin