REFERENZEN

Tabernakel-Sekretär um 1760

Restaurierung eines Tabernakelsekretärs um 1760 aus Nussbaum

Oberfläche nach der Lackregenerierung
Oberfläche im Vorzustand

Bei diesem Tabernakelsekretär um 1780 zeigte sich die Oberfläche stark verändert. Der vorhandene Lack war deutlich vergilbt und nahm dem Nussbaumholz sowie den feinen Marketerien viel von ihrer ursprünglichen Tiefe. Statt einer klaren, transparenten Oberfläche lag ein später aufgetragener Nitrocelluloselack vor, der das Furnierbild optisch stark verschloss. Die Maserung trat nur noch gedämpft hervor und wirkte stellenweise fast opak überdeckt.

Stilistisch markiert das Möbel den Übergang von barocken Formelementen zum Rokoko. Ablesbar ist dies unter anderem an den Schlüsselschildern sowie an den stark abgeflachten Kegelfüßen. Gerade diese Verbindung aus noch kräftiger architektonischer Gliederung und bereits leichterer, eleganterer Formensprache macht den Sekretär besonders reizvoll

Abnahme des Nitrocelluloselacks und Untersuchung des historischen Lackbestands

Der vergilbte Nitrocelluloselack wurde behutsam abgenommen. Im Zuge dieser Arbeiten konnten unter den Schlüsselschildern noch Reste eines älteren Lack Harz Bestands nachgewiesen werden. Diese Bereiche waren durch die Beschläge geschützt und hatten sich daher besser erhalten als die offenliegenden Partien der Oberfläche. 

Zur genaueren Einordnung wurden die Befunde mittels UV Mikroskopie untersucht. Die erhaltenen Lackreste gaben wichtige Hinweise auf den ursprünglichen Oberflächenaufbau und dienten als Orientierung für die weitere Restaurierung. Auf diese Weise konnte die neue Oberfläche nicht frei interpretiert, sondern auf Grundlage des vorhandenen Bestands entwickelt werden.

Aufbau einer harzbasierten Wachsoberfläche mit mattem Glanz

Nach der Reduzierung des späteren NC Lacks wurde die Oberfläche auf dem erhaltenen Bestandslack neu aufgebaut. Verwendet wurde ein Wachs auf Basis von Kolophoniumharz und Terpentinöl. Diese Oberfläche wurde anschließend matt auspoliert, sodass der Sekretär wieder eine ruhige, warme und dem Möbel angemessene Tiefenwirkung erhielt.

Das Nussbaumholz und die Marketerien treten nun wieder deutlich klarer hervor, ohne dass der historische Charakter überformt wird. Der Glanz orientiert sich an einer zurückhaltenden, auspolierten Harz Wachs Oberfläche und nicht an einer modernen Hochglanzwirkung. So bleibt der Tabernakelsekretär als historisches Möbel des späten 18. Jahrhunderts lesbar, während spätere, störende Überarbeitungen zurückgenommen wurden.

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Andris Hennig - Restaurator für Möbel aus Potsdam und Berlin